Ein Erklärvideo zu beauftragen ist eine Investition. Aber wie jede Investition zahlt sie sich nur dann aus, wenn sie strategisch eingebettet ist. Viele Unternehmen lassen ein Erklärvideo produzieren, laden es auf YouTube hoch, betten es auf der Website ein - und wundern sich dann, dass die erhofften Ergebnisse ausbleiben. Das Problem liegt selten am Video selbst, sondern an der fehlenden Strategie dahinter.
In diesem Artikel zeige ich, wie eine durchdachte Erklärvideo-Strategie aussieht: von der Zieldefinition über die Platzierung bis zur Erfolgsmessung.
Schritt 1: Ziele klar definieren - bevor die Produktion beginnt
Die häufigste Frage, die ich Unternehmen stelle, bevor wir mit der Produktion beginnen: "Was soll dieses Video konkret bewirken?" Die häufigste Antwort: "Unser Produkt besser erklären." Das ist zu vage.
Gute Ziele für ein Erklärvideo sind messbar und spezifisch:
- Die Conversion-Rate auf der Produktseite um 20 Prozent steigern
- Die Anzahl qualifizierter Anfragen über das Kontaktformular verdoppeln
- Die durchschnittliche Verweildauer auf der Landing Page von 90 auf 150 Sekunden erhöhen
- Den Support-Aufwand für häufige Kundenfragen um 30 Prozent reduzieren
- Neue Mitarbeiter in 50 Prozent weniger Zeit onboarden
Das Ziel bestimmt alles: Inhalt, Länge, Stil, Platzierung und Erfolgskriterien. Ein Video, das die Conversion-Rate steigern soll, wird anders aufgebaut als ein Video, das für das Onboarding neuer Mitarbeiter gedacht ist.
Schritt 2: Die Zielgruppe genau bestimmen
Ein häufiger Fehler: Das Video soll "alle ansprechen". Aber ein Video, das alle ansprechen soll, spricht in der Regel niemanden wirklich an. Die Stärke eines Erklärvideos liegt in seiner Fähigkeit, eine spezifische Person mit einem spezifischen Problem anzusprechen - und ihr die passende Lösung zu zeigen.
Definieren Sie daher vor der Produktion genau: Wer schaut dieses Video? Was ist die größte Herausforderung dieser Person? Welche Fragen hat sie? Welche Sprache spricht sie - technisch oder laienverständlich? Was soll sie nach dem Video wissen, glauben oder tun?
Wenn Ihr Unternehmen mehrere unterschiedliche Zielgruppen hat, ist es oft sinnvoller, zwei kürzere, zielgruppenspezifische Videos zu produzieren als ein einziges, das versucht, alle anzusprechen.
Schritt 3: Die richtige Platzierung im Sales-Funnel
Nicht jedes Erklärvideo gehört an dieselbe Stelle im Kaufprozess. Ein bewährtes Modell ist die Unterscheidung nach Funnel-Phasen:
Top of Funnel: Awareness
In dieser Phase kennt der potenzielle Kunde Ihr Unternehmen noch nicht oder hat ein Problem, für das er noch keine Lösung gefunden hat. Videos in dieser Phase sind kurz (30 bis 60 Sekunden), wecken Interesse und führen zu weiteren Inhalten - nicht direkt zum Kauf. Einsatzorte: Social-Media-Ads, YouTube Pre-Roll, Blog-Artikel.
Middle of Funnel: Consideration
Der Interessent kennt Ihr Unternehmen und vergleicht Optionen. Hier sind ausführlichere Erklärvideos (90 bis 180 Sekunden) wirkungsvoll, die zeigen, wie Ihre Lösung das spezifische Problem löst. Einsatzorte: Produktseite, Landing Pages, E-Mail-Sequenzen.
Bottom of Funnel: Decision
Der Interessent ist bereit zu kaufen, hat aber noch letzte Fragen oder Zweifel. Videos in dieser Phase räumen Einwände aus, zeigen Garantien und machen den nächsten Schritt leicht. Einsatzorte: Warenkorb-Seite, Checkout, Sales-Meeting-Vorbereitung.
Schritt 4: Platzierung auf der Website optimieren
Die richtige Platzierung eines Erklärvideos auf der Website ist entscheidend für seine Wirkung. Die wichtigsten Positionen:
Above the Fold auf der Startseite
Das wichtigste Video sollte im sichtbaren Bereich der Startseite eingebettet sein, ohne dass der Besucher scrollen muss. Es ist der erste Eindruck - und gibt Besuchern, die lieber schauen als lesen, sofort einen Grund zu bleiben.
Produktseite: In der Bild-Galerie
Für Produkte und Dienstleistungen gehört das Erklärvideo in die Produktbild-Galerie - als erstes oder zweites Element. Besucher, die aktiv durch die Galerie klicken, sind interessiert und bereit für mehr Information.
Landing Pages: Zentriert und prominent
Auf spezifischen Landing Pages für Ads-Kampagnen sollte das Video zentral und gut sichtbar eingebettet sein. Es ist oft das erste Element, das ein Besucher nach der Headline wahrnimmt.
Blog-Artikel: Als Ergänzung zu Text
Erklärvideos können auch in Blog-Artikel eingebettet werden, die ähnliche Themen behandeln. Das erhöht die Verweildauer und gibt Video-Präferenten eine Alternative zum Lesen.
Schritt 5: Distribution über mehrere Kanäle
Ein Erklärvideo, das nur auf der Website liegt, verschenkt Potenzial. Denken Sie Distribution von Anfang an mit:
- YouTube: Als eigenständiger Kanal mit SEO-Optimierung (Titel, Beschreibung, Tags)
- LinkedIn: Als organischer Post und als bezahlte Sponsored Content-Kampagne
- E-Mail-Marketing: Video-Thumbnail in der E-Mail führt zu deutlich höheren Klickraten
- Sales-Prozess: Vertriebsmitarbeiter nutzen das Video in Angeboten und Follow-up-E-Mails
- Messe: Angepasste Loop-Version ohne Ton für den Messestand
- Onboarding: Bei passendem Inhalt auch für interne Schulungen nutzbar
Schritt 6: Erfolgsmessung einrichten
Ohne Messung keine Optimierung. Richten Sie vor dem Launch des Videos die richtigen Tracking-Mechanismen ein:
Video-Performance
- Wiedergaberate: Wie viele Besucher der Seite starten das Video?
- Durchschnittliche Wiedergabezeit: Bis zu welchem Punkt schauen die meisten?
- Completion Rate: Wie viele schauen das Video zu Ende?
- Retentionskurve: Wo springen Zuschauer ab? (identifiziert schwache Inhaltsstellen)
Seiten-Performance
- Verweildauer auf der Seite (vor und nach Einbindung des Videos)
- Absprungrate (sollte sinken)
- Conversion-Rate auf der Seite (Kontaktformular-Abschlüsse, Downloads, Käufe)
Schritt 7: Iterieren und optimieren
Ein Erklärvideo ist kein einmaliges Projekt, sondern ein Asset, das sich weiterentwickeln sollte. Was können Sie nach dem Launch tun?
- Retentionskurve analysieren und schwache Stellen identifizieren
- A/B-Test: Thumbnail-Varianten testen
- Kürzere Versionen für Social-Media testen
- Video-Inhalt aktualisieren, wenn sich das Produkt oder die Botschaft ändert
- Für neue Zielgruppen adaptieren
Die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt
Eine häufige Frage: "Wann ist der richtige Zeitpunkt für ein Erklärvideo?" Die kurze Antwort: sobald Sie ein Produkt oder eine Dienstleistung haben, die sich lohnt zu erklären. Das ist in der Regel früher, als viele Unternehmen denken.
Besonders wirkungsvoll ist ein Erklärvideo in diesen Momenten: beim Relaunch einer Website, beim Launch eines neuen Produkts, beim Start einer Paid-Ads-Kampagne, bei der Erschließung eines neuen Marktes oder beim Aufbau eines Vertriebsteams, das ein konsistentes Erklärungs-Tool braucht.
Mehrere Videos oder ein starkes Video?
Die Frage ist nicht: "Brauchen wir viele Videos?" Die Frage ist: "Welches eine Video würde den größten Unterschied machen?" Beginnen Sie mit diesem Video. Produzieren Sie es mit maximaler Sorgfalt und eingebetteter Strategie. Messen Sie die Ergebnisse. Dann entscheiden Sie, welches das nächste sein soll.
Qualität vor Quantität ist immer der richtige Ansatz. Ein einziges, strategisch durchdachtes Video, das genau die richtigen Menschen zur richtigen Zeit anspricht, wirkt besser als zehn mittelmäßige Videos ohne klare Ausrichtung.
Typische Fehler bei der Video-Strategie
Aus der Beratung von Unternehmen im DACH-Raum kenne ich eine Reihe von Mustern, die immer wieder dazu führen, dass Videos nicht die erhoffte Wirkung entfalten:
- Kein klares Ziel: "Das Produkt besser erklären" ist kein messbares Ziel. Ohne konkrete Erwartung gibt es auch keinen Maßstab für Erfolg.
- Video wird nicht beworben: Ein Video, das niemand sieht, kann keinen ROI erzielen. Distribution ist Teil der Strategie, nicht eine nachträgliche Überlegung.
- Keine Erfolgsmessung eingerichtet: Wenn Sie vor dem Launch kein Tracking einrichten, haben Sie nach dem Launch keine Datenbasis für Optimierungen.
- Video zu lang: Niemand schaut sich ein 8-minütiges Erklärvideo auf einer Website an. Kürze ist eine Stärke, keine Schwäche.
- Keine klare Handlungsaufforderung: Was soll der Zuschauer nach dem Video tun? Wenn das Video diese Frage nicht beantwortet, verschenken Sie Potenzial.
Die gute Nachricht: Alle diese Fehler sind vermeidbar, wenn Sie vor der Produktion die richtigen Fragen stellen und die Antworten als Grundlage für das Video-Briefing nutzen.
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Jetzt kostenloses Erstgespräch vereinbarenHäufige Fragen zur Erklärvideo-Strategie
Wie viele Erklärvideos braucht ein Unternehmen?
Für den Einstieg genügt oft ein einziges Haupt-Erklärvideo. Über Zeit können weitere Videos für spezifische Zielgruppen, Produkte oder Funnel-Phasen hinzukommen. Qualität vor Quantität ist immer der richtige Ansatz.
Wo sollte ein Erklärvideo auf der Website platziert werden?
Die wirksamste Platzierung ist oberhalb des Folds auf der Startseite oder der wichtigsten Produktseite. Das Video sollte prominent eingebettet sein, nicht versteckt in einem Tab oder weit unten auf der Seite.
Wie messe ich den Erfolg eines Erklärvideos?
Die wichtigsten Kennzahlen sind: Wiedergaberate, durchschnittliche Wiedergabezeit, Completion Rate und die Conversion-Rate der Seite mit Video im Vergleich zur Seite ohne Video.
Sollte jedes Erklärvideo einen anderen Stil haben?
Nein. Eine konsistente visuelle Sprache über alle Videos hinweg stärkt die Markenidentität. Farben, Schriften und Animation-Stil sollten sich an einem festen Marken-Leitfaden orientieren.